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Etwas schief gelaufen


 
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Eddie_1999
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 23.05.2018, 21:52    Titel: Etwas schief gelaufen

"Das Coming-Out ist ein wunderschöner, nie endender Prozess, der sich super eignet, um Trottel aus meinem Leben zu entfernen."

Ein Zitat aus dem Steckbrief von Boxav, das sicher der eine oder andere schon zu lesen bekommen hat. Aber was wenn du von einem solchen Trottel abhängig bist? Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass alles in Ordnung sein wird... Nach so vielen positiven Reaktionen, war es die Person die mir das Leben am schwersten machen kann auch gleichzeitig die einzige, der das nicht so passt. Aber jetzt mal von Anfang an!

In einer durch und durch homophoben Familie aufzuwachsen und mit der Zeit zu realisieren, dass man ausgerechnet die schlimmste Eigenschaft hat, die es für eine solche Familie nur geben kann ist schon kacke... Aber so war es nun mal. Seit dem Punkt an dem ich es gemerkt habe, brauchte ich fünf Jahre um mich selbst zu akzeptieren. Danke dir, oh du tolle Erziehung! Ich kann jetzt davon erzählen wie schwer diese Zeit gewesen ist, aber da muss ja sowieso jeder von uns durch. Außerdem begann die eigentlich schwere Zeit wann anders...

Man bekommt irgendwann das Bedürfnis andere Jungs zu treffen und meldet sich bei der einen oder anderen Dating-Seite an, macht sich notfalls ein Jahr älter für das "volle" Programm. Ich schreibe man, weil ich hoffentlich nicht der einzige bin, aber das glaube ich auch gar nicht... Nach einigen mehr oder weniger enttäuschenden Treffen kam ich dann auf dbna (was ich nie wirklich als Dating-Seite gesehen hab). Es war wirklich cool so viele Jungs in der Umgebung zu sehen, denen es ähnlich geht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt komplett vergessen was meine Familie darüber denken würde, erzählte erst engen Freunden davon, später hat es sich weiter verbreitet und durch den aktualisierten Facebook-Beziehungsstatus wusste es die ganze Stufe (und ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass es irgendwann die ganze Schule mitbekommen hat...)

Die Beziehung hat nicht lange gehalten, aber darum geht es gar nicht. Meiner Mum habe ich zwischen dem ganzen Trubel davon erzählt. Für sie war es nicht so einfach, aber letzten Endes hat sie es gut aufgenommen. Die Probleme kamen erst, als mein Dad auf mich zukam: "Du triffst dich in letzter Zeit jedes Wochenende mit einem Jungen." Damit meinte er meinen jetzigen Freund, wäre ein Wunder wenn er nicht gemerkt hätte dass da was läuft. Trotzdem kam das Gespräch für mich sehr plötzlich und so überrumpelt wie ich war, fehlten mir erstmal die Worte. Seine Position war dagegen klar: "Ich werde das niemals akzeptieren können. Will von den Männern die du triffst nichts wissen und keiner sonst soll es erfahren."

Danach hat sich einiges geändert... Im Laufe von 3 Monaten gab es jeden Tag Streit, mein Freund durfte nicht mehr kommen weshalb ich jedes Wochenende weggefahren bin und auch am Geburtstag meines Dads nicht bei der Feier war. Zum einen weil das Treffen schon länger ausgemacht war (ich dachte nicht, dass er unter der Woche feiern würde), und zum anderen weil es mir egal war. Ich wollte so schnell wie nur möglich ausziehen und so wenig Zeit wie es nur geht daheim verbringen. Den Kontakt zu meiner Familie abzubrechen war für mich selbstverständlich, aber dass es irgendwann dazu kommen würde war mir seit Jahren schon klar. Ich habe sogar ein geplantes FSJ abgesagt um das Studium früher anzufangen. Bis dann mein Dad auf mich zukam und meinte er würde mich nur finanziell unterstützen, wenn ich die Beziehung zu ihm normalisiere. Ansonsten könne ich schauen wie ich klarkomme wenn plötzlich alle Versicherungen und sonstige Kosten auf mich fallen. Er wollte mir verbieten mich mit meinem Freund zu treffen (keine Chance!), mich irgendjemanden sonst zu outen (die Großeltern sollen es nie erfahren), und selbst so etwas banales wie Haare färben, weil es schon "zu offensichtlich" sein könnte...

Nun spiele ich seit einigen Monaten den braven Sohn, erwähne bloß nichts von meiner Homosexualität (das ist ja ein Schimpfwort!) um es mit meinem Vater noch halbwegs auszuhalten. Ich muss mich verstellen und den Anschein machen seine Homophobie mache mir nichts aus. Aber nach allem was er mir gesagt hat frage ich mich wirklich wie er sich überhaupt noch mein "Dad" nennen kann...

Was ich mit dieser autobiographischen Kurzgeschichte sagen will ist, dass ein Outing nicht immer gut abläuft. Manchmal ist es besser abzuwarten bis man etwas selbstständiger ist und auf eigenen Beinen stehen kann. Dann kann es einem mehr oder weniger egal sein wie die Reaktion ausfällt. Im Extremfall zerstört man sich damit einfach wirklich die eigene Zukunft.

Letzten Endes hätte es für dieses Coming-Out keinen richtigen Zeitpunkt gegeben, höchstens einen an dem es mich selbst nicht so gravierend wäre, enttäuschend ist es jedoch sowieso.
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Jay-iGen
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 24.05.2018, 11:46    Titel: Etwas schief gelaufen

Danke für dieses emotionale Statement. Für deine Erfahrungen hast du mein tiefstes Mitgefühl. Ich wünsche dir viel Kraft in der Zeit, wo du das ertragen musst und hoffe, dass der Zeitpunkt, wo du dich endlich lösen kannst, bald kommt. Freunde helfen oft in solchen Situationen, aber auch Coming Out Gruppen, die es ja in jeder größeren Stadt gibt. Alles Gute!
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Cinderello
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 25.05.2018, 01:59    Titel: Etwas schief gelaufen

Informier dich mal über die rechtliche Situation in Sachen Unterhalt für studierende Kinder im Erststudium.
und verlass dich nicht auf die Lage, die dir die Person, die dich damit nötigen will vermittelt.
Auch würde ich die braver-Sohn Nummer auf Eis legen, mindestens bis er dir seinen Beitrag zur "Normalisierung" eures Verhältnisses zeigt (das Unterhaltsgeld alleine kann ja nicht das sein was euer Verhältnis normal macht).
Informieren, ablösen, verhandeln! du bist am Zug.
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Jonas_
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 25.05.2018, 10:55    Titel: Re: Etwas schief gelaufen

Cinderello hat folgendes geschrieben:
Informier dich mal über die rechtliche Situation in Sachen Unterhalt für studierende Kinder im Erststudium.
und verlass dich nicht auf die Lage, die dir die Person, die dich damit nötigen will vermittelt.
Auch würde ich die braver-Sohn Nummer auf Eis legen, mindestens bis er dir seinen Beitrag zur "Normalisierung" eures Verhältnisses zeigt (das Unterhaltsgeld alleine kann ja nicht das sein was euer Verhältnis normal macht).
Informieren, ablösen, verhandeln! du bist am Zug.

Kann mich dessen nur anschliessen. Würde zum beispiel mal zum BAföG Amt gehen. Prinzipiel ist es möglich beim Amt ein Antrag auf Vorausleistung zu Stellen, sollten die Eltern sich weigern zu Zahlen (hier wäre schon mal allgemeine Information dazu: https://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/vorausleistung.php).

Aber wie gesagt, Informiere dich erst mal beim BAföG Amt über sowas, und sei dir auch bewusst dass das Verhältnis zwischen dir und deinen Eltern sich dadurch weiter anspannen könnte. Ich hoffe dennoch das dir hiermit mindestens ein bisschen geholfen ist und wünsche dir alles gute.
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Cinderello
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 26.05.2018, 19:18    Titel: Re: Etwas schief gelaufen

Jonas_ hat folgendes geschrieben:
sei dir auch bewusst dass das Verhältnis zwischen dir und deinen Eltern sich dadurch weiter anspannen könnte. Ich hoffe dennoch das dir hiermit mindestens ein bisschen geholfen ist und wünsche dir alles gute.

Das wiederum würde ich so nun nicht sagen: gerade ist die Spannung auf seiner Seite und er leidet darunter - wenn er sich informiert und merkt, dass sein Unterhalt ein Recht ist kann er sich vielleicht besser behaupten. Und vielleicht merken die Beiden ja, dass er das nicht nur als Provokation gesagt hat mit dem schwul Sein, sondern wirklich so ist.

Aber natürlich sollte der TE sich bewusst sein, dass er Rechtsmittel, wenn er sie angedroht hat auch anwenden sollte wenn keine Besserung eintritt. Sonst leidet seine Glaubwürdigkeit.
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Eddie_1999
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 27.05.2018, 15:51    Titel: Etwas schief gelaufen

Vielen Dank für die Tipps!
Ich hoffe, dass ich das BAföG-Amt nicht einschalten muss, aber gut zu wissen, dass ich im Notfall nicht auf mich alleine gestellt bin ^^
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TLion
Nutzer gelöscht


BeitragVerfasst am: 13.06.2018, 09:58    Titel: Etwas schief gelaufen

Rechtliche Absicherung ist schön und gut, darauf anlegen würde ich es aber nicht. Andererseits kannst du dich auch nicht selbst unterdrücken um Konflikt mit deinem Vater zu vermeiden. Versuch vielleicht aber fürs erste soweit es für dich geht auf der Waffenstillstand-Schiene zu bleiben.

Am besten zur Erlangung von Kontrolle über das eigene Leben ist wohl Ausziehen und das geht am leichtesten über ein Studium in einer anderen Stadt. Das wäre aber wieder problematisch, wenn du über eine Beziehung gerade Wurzeln geschlagen hast...

In jedem Fall hast du eine Familie, die ihren Job nicht richtig macht!
Es gibt über queere Einrichtungen verschiedene Beratungs/Hilfsangebote. Schau dich vielleicht da mal um. Ein Gespräch mit einem Sozialpädagogen würde deinem Vater vielleicht ganz gut tun.
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